WALTER SERNER-PREIS 2018

“LITERARISCHE FIGUREN SIND EINE FÄLSCHUNG”

Walter Serner (eigentlich Walter Eduard Seligmann), geboren 1889 als Sohn jüdischer Eltern in Karlsbad, war Jurist, schrieb früh in der von seinem Vater herausgegebenen “Karlbader Zeitung”, gesellte sich mit seinem skandalumwitterten Manifest “Letzte Lockerung” zur Dada-Bewegung und durchstreifte beinahe ein Jahrzehnt schreibend Europa. Um 1928 verlor sich seine Spur für die Öffentlichkeit. Bis 1942 lebte er als Lehrer mit seiner Frau in Prag; von dort wurde er nach Theresienstadt deportiert und schließlich ermordet.

Kurz nach dem Abitur konvertierte Seligmann vom Judentum zum Katholizismus und nahm den Nachnamen Serner an.
Radovan Charvát: „Die Familie war deutschböhmisch, Serners Mutter war eine Tschechin. Sein Vater war ein ziemlich reicher Mann. Er hat hatte sogar eine eigene Druckerei und hat dort die Karlsbader Zeitung herausgegeben. Der Sohn hat in Karlsbad und Kaaden sein Abitur gemacht, dann ging er nach Wien und wollte Rechtsanwalt werden. Er studierte also in der Hauptstadt, sein Staatsexamen legte er aber in Berlin ab. Dann kam der Erste Weltkrieg. Serner hatte zwar Kontakte in Wien, als junger Mann bewunderte ganz besonders Karl Kraus, schließlich flüchtete er aber als einer der ersten Intellektuelle aus Deutschland, Österreich und Mitteleuropa in die Schweiz.“

Mit seinem Doktortitel gab sich Serner als Doktor der Medizin aus und verfasste für einen aus der Armee desertierten Freund ein ärztliches Gutachten. Damit verhalf er ihm zur Flucht. Um selbst einer Verhaftung in Berlin zu entgehen, ließ er sich in Zürich nieder.

„Schon damals konnte man sehen, dass Serner ein abenteuerlicher Charakter war.“

Bereits 1915 erschien in Zürich die erste Ausgabe der von Serner gegründeten Zeitschrift für Literatur und Kunst namens „Sirius“. 1917 schloss er sich dem Kreis der Züricher Dadaisten um Tristan Tzara und Francis Picabia an. Er beteiligte sich am Programm des Kabaretts Voltaire und wurde neben Tzara zum wichtigsten Theoretiker, Propagandisten und Organisator des Dadaismus.

„Nach 1927 hat er nichts mehr geschrieben. Er meinte, man müsse mit dem Schreiben Schluss machen, weil dies eine Fälschung sei. Wenn man menschliche Schicksale und Figuren in der Literatur gestalte, sei dies eine Fälschung.“