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FASZINATION NICHT-ORT

Jeder Roman braucht ein Setting.
Jeder Text ist verortet, und wenn es die Sprache ist.
Ich bin immer schon fasziniert gewesen von Nicht-Orten – das sind Orte, die nach Marc Augé weder Identität, noch Relation oder historische Verankerung besitzen. Räume, die nach mehr oder weniger strengen Regeln funktionieren, deren Zugang beschränkt ist und die eine vollkommene Ordnung anstreben: Krankenhäuser, Gefängnisse, Parkplätze, Shoppingmalls, Flughäfen, aber auch Wohnmaschinen, Museen oder Bibliotheken. Nach Beendigung ihrer Funktion (etwa abends) werden sie geschlossen. Es sind transitorische Räume, die Einsamkeit erzeugen, weil sie nicht für Menschen geschaffen wurden, sondern allein für die Funktion, für die Handlungen, die dort von statten gehen. In ihnen ist man nicht heimisch, sie dienen nicht der Kommunikation, sind gewissermaßen das Gegenteil von “Erinnerungsorten”. 
Bei Michel Foucault heißen diese Orte „Heterotopien“ – Gegenorte, die sich auch in der Zeit (Feste, Jahrmärkte),  in der Ewigkeit (Museum, Bibliothek) oder in der Illusion (Bordell) verankern lassen.

Mich interessiert nun, was diese Nicht-Orte, die gerade in Städten überhandnehmen, mit den Menschen tun. Wie sie durch Subversion und Kreativität in Geschichtsorte verwandelt werden können. Wie sie durch die Mittel der Sprache an Dauerhaftigkeit, an Festigkeit gewinnen können.